Man könnte meinen, es sei reiner Unsinn, an einem Samstag kurz vor Mittag nach Lauterbrunnen, dem grössten Touristenort der Schweiz, zu fahren – und das noch dazu in den Sommerferien, wenn es dort von Touristen aus aller Welt wimmelt. Aber was, wenn ich euch erzähle, dass wir tatsächlich nach Lauterbrunnen gefahren sind, aber statt zu den üblichen überfüllten Touristenattraktionen in einen Bus für nur 12 Passagiere und dann in eine Seilbahn mit maximal acht Plätzen gestiegen sind? Und dass wir an einem Ort angekommen sind, der zu Recht als Aussichtsbalkon über Lauterbrunnen bezeichnet wird. Das klingt fast wie eine VIP-Reise aus einer Fantasiewelt. Aber es war Realität. Sulwald ist genau der Ort, an dem man nicht von Touristenmassen erdrückt wird und die wilde Schönheit des Berner Oberlands geniessen kann.
Anreise nach Lauterbrunnen
Mit dem Auto: Von Bern aus erreicht man Lauterbrunnen mit dem Auto in etwa einer Stunde (ca. 70 km). Die Autobahn A6 in Richtung Thun nehmen, dann Richtung Interlaken und weiter auf der Strasse Nr. 11 Richtung Wilderswil und Lauterbrunnen. In Lauterbrunnen empfehle ich das Parkhaus Lauterbrunnen direkt neben dem Bahnhof, kurz vor der Dorfeinfahrt links abbiegen.
Mit dem Zug: Vom Bahnhof Interlaken Ost gelangt man mit der Berner Oberland-Bahn (BOB) in 22 Minuten mit dem Direktzug nach Lauterbrunnen. Die Züge verkehren halbstündlich (x.01 und .31). Eine Einzelfahrt kostet CHF 7.80, mit Halbtax CHF 3.90.
Postauto nach Isenfluh
Das Postauto aus Lauterbrunnen fährt sehr selten. Daher empfehle ich, früh an der Bushaltestelle zu sein, damit Sie sich einen guten Platz sichern können. An diesem Samstagmorgen war der Minibus voll besetzt – kein Wunder bei dem schönen Wanderwetter.
Die Fahrt mit dem Postauto von Lauterbrunnen bis zur Endhaltestelle Isenfluh, Dorf dauert 12 Minuten. Der Bus fährt eine schmale Strasse hinauf und einen 360-Grad-Kehrtunnel. Ein Ticket kostet CHF 7,80 oder CHF 3,90 mit dem Halbtax-Abo.

Nach der Ankunft im Bergdorf Isenfluh sind es nur noch wenige Meter bis zur Luftseilbahnstation. Die Luftseilbahn Isenfluh-Sulwald ist täglich von 07:00 bis 18:15 Uhr in Betrieb (alle 15 Minuten). Bei Andrang fährt die Bahn durchgehend. Die kleine Gondel bietet acht Personen (oder eine Kuh 🙂 ) Platz. Eine Einzelfahrt kostet kostet für Erwachsene CHF 10, für Kinder CHF 5. GA, Junior-Karte und Halbtax-Abo sind hier nicht gültig. Inhaber des Regionalpasses Berner Oberland oder der Gästekarte erhalten CHF 2,50 Rabatt auf eine Einzelfahrt.

Sulwald – Aussichtsbalkon oberhalb von Lauterbrunnen
Nach einer adrenalingeladenen Fahrt in einer winzigen Gondel empfehle ich, sich zu beruhigen, etwas Leckeres zu geniessen und die Aussicht von der Terrasse des angrenzenden Restaurants zu bewundern. Das Sulwaldstübli bei der Bergstation der Luftseilbahn Isenfluh-Sulwald hat während der Sommersaison von Anfang Juli bis Mitte Oktober ebenfalls jeden Tag von 09:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Davor (Mai/Juni) hat es jeweils am Mittwoch Ruhetag.

Aussichtspunkt Sulwaldflüh
Wenn ihr Lust habt, könnt ihr vor der Wanderung zur Grütschalp einen kleinen Abstecher zum Aussichtspunkt Sulwaldflüh machen. Er ist weniger als einen Kilometer entfernt, über eine asphaltierte Strasse zu erreichen und bietet einen wunderschönen Blick auf Interlaken. Dort gibt es auch eine schöne Brätlistelle mit allem notwendigen Zubehör.




Nachdem wir auf dem gleichen Weg zum Sulwaldstübli zurückgekehrt waren, folgten wir dem Weg in Richtung Chüebodmi. Das Gelände war zunächst leicht abfallend, dann begann es jedoch, über natürliche Stufen kontinuierlich anzusteigen und Höhenmeter zu gewinnen.




Chüebodmi
Am Wegweiser Chüebodmi teilt sich der Weg – wenn man rechts geht, steigt man weiter hinauf zur Lobhornhütte. Wir sind jedoch links abgebogen und hinunter zur Alpwiese gewandert.




Wir überquerten eine Holzbrücke und folgten weiter der Konturlinie. Nach einigen Minuten hörten wir ein immer lauter werdendes Rauschen und sahen bald dessen Quelle in der Ferne – einen Wasserfall am Gebirgsbach Sousbach.


Sousläger
Wir kamen an einer Stelle an, wo eine Holzbrücke über den Bach spannte, und mein Mann konnte der Verlockung nicht widerstehen, sich im Wasser abzukühlen (leider wurden die Fotos zensiert 🙂 ).


Marcheggwald
Am Wegweiser „Sousläger“ gab es zwei Abzweigungen in Richtung Grütschalp. Wir entschieden uns für die kürzere Route, die eine halbe Stunde weniger dauerte, und bogen daher links ab. In dieser letzten Etappe erwartete uns eine friedliche Wanderung durch den bezaubernden Marcheggwald.




Grütschalp
Nach etwa acht Kilometern erreichten wir die Luftseilbahnstation Grütschalp, von wo aus man zurück nach Lauterbrunnen gelangt. Die vierminütige Fahrt kostet CHF 9.40 (CHF 4.40 mit Halbtax).


Zusammenfassung
- Die Strecke ist 8 Kilometer lang und wir haben etwa drei Stunden dafür gebraucht.
- Die Route ist definitiv nicht für Kinderwagen geeignet.
- Da es sich um eine Bergwanderung handelt, empfehle ich festes Schuhwerk und Wanderstöcke.
- Bitte beachtet, dass zwischen 10:35 und 12:05 Uhr keine Postbusse auf der Isenfluh-Linie verkehren. Plant eure Ankunft in Lauterbrunnen daher entsprechend.

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