Bad Weissenburg: Wandern im Niedersimmental zur Kurortgeschichte

Ich werde oft gefragt, woher ich die Inspiration für unsere Ausflüge nehme. Und ich antworte, dass ich mich sehr oft von dem inspirieren lasse, was in den sozialen Medien “auftaucht”. Das war bei diesem Ausflug nicht anders – ich sah sie auf Facebook als Post des Tourismusbüros Lenk-Simmental und wusste, dass wir sie so schnell wie möglich unternehmen würden. Sie erfüllte alle Parameter, die wir uns von einer Wanderung wünschen konnten:

a) Der Ausgangspunkt war nicht allzu weit von unserem Wohnort entfernt (etwa 55 Minuten),

b) es ist ein Rundwanderweg,

c) es ist ein Weg, auf dem wir etwas über die interessante Geschichte des Ortes erfahren können,

d) er führt grösstenteils im Schatten des Waldes, was ideal für heiße Sommertage ist, die man nicht am Wasser, sondern in der Natur verbringen möchte.

Bad Weissenburg

Die Thermalquelle oberhalb von Weissenburg ist schon seit über 400 Jahren bekannt. Die Berner Regierung finanzierte im Jahre 1604 eine Quellfassung, liess ein Badehaus bauen und stellte einen Bademeister ein. In seiner Blütezeit (von 1850 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs) war Bad Weissenburg ein Treffpunkt des Hochadels und in ganz Europa bekannt, da das Trinken des Wassers hier heilende Wirkung versprach. Auch wirtschaftlich war das Bad von grosser Bedeutung für die Region: zwischen 150 und 200 Personen aus der Region fanden in den Bädern Weissenburg Beschäftigung. Die Bauernbetriebe der umliegenden Region konnten hier ihre Produkte absetzen.

Ausgangspunkt

Der Ausgangs- und Endpunkt der Route ist Weissenburg. Von Bern aus gelangt man mit dem direkten BLS-Zug (RegioExpress Richtung Zweisimmen, Weissenburg ist Halt auf Verlangen) hierher. Beim malerischen Bahnhof gibt es auch einige Parkplätze.

Man überquert die Bahngleise und folgt dann dem angenehmen Waldweg entlang der Felsen bis zur Ruine des Weissenburgbades (Richtung Ehem. Weissenburgbad).

Bad Weissenburg – Vorderes Bad

Das Vordere Bad kam 1849 in Betrieb, aber im 1898 brannte das Kurhaus bis auf die Grundmauern nieder. Wegen der internationalen Bekanntheit
und einer grossen Nachfrage wurde innerhalb eines Jahres ein neues Grand Hotel erstellt.

Zu den berühmten Gästen der letzten Zeit gehörte Königin Wilhelmine der Niederlande, die 1938 mit ihrer Tochter hier zur Kur weilte, und Prinzessin Juliana, die sich während ihres Aufenthalts mit Prinz Bernhard verlobte, zog Gäste aus aller Welt an. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Ort jedoch an Bedeutung und in den 1960er Jahren wurde das Badehaus schließlich geschlossen. Im Jahr 1974 brannte es bis auf die Grundmauern ab.**

Wenn man die Ruinen des vorderen Bades sieht, biegt man links in den Weg ein, der nach unten führt (siehe das erste Foto). Dieser führt zu einem kleinen Teich mit einer sprudelnden Quelle. Achtung! Ihre vierbeinigen Haustiere sind im Teich nicht erlaubt.

Zurück auf dem Weg oder über einen unscheinbaren Fusspfad im Hügel erreicht man das Areal, auf dem früher das Grand Hotel stand. Heute findet man dort die Ruinen eines Küchentrakts und eines restaurierten Musikpavillons. Auf den Informationstafeln kann man etwas über die Geschichte des Kurortes erfahren.

Es gibt auch einen schönen Grillplatz mit zwei Feuerstellen, Tischen und Bänken.

Thermalquelle

Hinter den Ruinen des Vorderen Bades geht der Weg weiter. Nach einigen Dutzend Metern erreichen Sie die Stelle, an der man die Thermalquelle kosten kann, die den Ort berühmt gemacht hat.

1935 hatte der junge Ingenieur Hans Widmer die Idee, das Wasser der Thermalquelle als Getränk abzufüllen, gründete die Firma Weissenburg-Mineralthermen AG und begann im Keller des Badehauses mit der Produktion. Später wurde in Därstetten eine moderne Abfüllanlage gebaut und die Firma war dort bis Mitte der 1980er Jahre tätig.

Areal Hinteres Bad

In weniger als einem halben Kilometer erreicht man das Areal des ehemaligen Hinteren Bades. Auf den Informationstafeln kann man über die Geschichte und die Gebäude des Bades lesen.

Bunschenschlucht (Buuscheschlucht)

Die Route führt weiter entlang dem Buuschebach und steigt leicht auf. Nach der Überquerung einer kleinen Hängebrücke über den Morgetenbach beginnt ein steiler Aufstieg über Metalltreppen, bevor man eine weitere Hängebrücke erreicht.

Hängebrücke Leiterenweid

Die Hängebrücke Leiternweide über die Morgetenbachschlucht ist 111 Meter lang und 111 Meter hoch und wurde im Oktober 2013 eröffnet. Über Leitern und schmale Pfade wurden damals die Bäder Weissenburg mit Material und Nahrungsmitteln, vor allem von der Alp Morgeten her, versorgt.

Von der Brücke aus geht es links in Richtung Weissenburg. Der Weg führt schliesslich bergab.

Beim Wegweiser im Wald hält man sich rechts in Richtung Buusche. Nach einem kurzen Stück im Wald führt der Weg durch Weiden und es eröffnet sich eine schöne Aussicht auf das Simmental.

Bären Buusche

Obwohl der Name typisch für die Region ist (hier im Kanton Bern sind es meist Bären, Krone, Sternen oder Rössli), handelt es sich um ein Restaurant mit traditioneller thailändischer Küche. Es gibt aber auch einheimisches Bier und Glace für die Kinder 🙂 Mit thailändischen Spezialitäten gestärkt geht es zurück nach Weissenburg.

Hier sieht man die Ruinen der ehemaligen Burg aus dem 13. Jahrhundert, von der aus die Herren von Weissenburg herrschten. Dann geht man hinunter ins Dorf und muss noch zum Bahnhof hinaufsteigen. Wer möchte, kann beim Bahnhof Weissenburg in einem kleinen Unterstand das heilkräftige WeissenburgerWasser gratis in mitgebrachte Flaschen abfüllen.

Zusammenfassung

  • Die Strecke ist 7 Kilometer lang und nicht für Kinderwagen geeignet.
  • Der Abschnitt nach Hinter Weissenburg Bad ist als “Bergwanderung” gekennzeichnet, daher empfehle ich festes Schuhwerk und besondere Vorsicht beim Erklimmen der Metalltreppen.
  • Ein 3D-Profil der Strecke findet ihr auf der Website des Tourenplaner-Schweiz.

*Quelle 1

**Quelle 2

Von der Lueg nach Affoltern i.E.: Der Emmentaler Wanderklassiker mit einem Twist
Ausflug in die Gletscherschlucht in Grindelwald

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