Aareböötle: Was ich vor meiner ersten Fahrt auf der Aare gerne gewusst hätte (10 Praktische Tipps)

Wenn man im Kanton Bern vom Sommer spricht, fällt früher oder später fast immer ein Begriff: Aareböötle. Vielleicht habt ihr dieses Wort schon einmal gehört und euch gefragt, was es eigentlich bedeutet. Ganz einfach: Es setzt sich aus Aare und Böötli – dem Berner Ausdruck für ein kleines Boot oder Schlauchboot – zusammen. Und genau darum geht es bei dieser beliebten Sommertradition: sich auf einem Schlauchboot von der türkisfarbenen Aare treiben zu lassen und einen wunderschönen Sommertag zu geniessen.

Die beliebteste Strecke führt von Thun nach Bern und ist rund 27 Kilometer lang. Je nach Wasserstand und Anzahl eurer Zwischenstopps seid ihr etwa drei bis vier Stunden (oder sogar mehr) unterwegs. Unterwegs treibt ihr an grünen Ufern, kleinen Kiesstränden und Hunderten anderer Böötli-Fans vorbei, die genauso wie ihr einen typischen Schweizer Sommertag geniessen. Für viele gehört das Aareböötle einfach zum Sommer dazu.

Ich muss allerdings zugeben, dass wir ziemlich lange auf unsere erste Fahrt gewartet haben. Obwohl wir inzwischen seit zwölf Jahren in der Schweiz leben, haben wir das Aareböötle immer wieder aufgeschoben. Dabei sind unsere Kinder keineswegs unerfahren auf dem Wasser – in Tschechien haben sie bereits mehrere Flusstouren unternommen. Auf einem Schlauchboot auf der Aare sassen sie allerdings zum ersten Mal.

Nach unserer ersten Tour waren die Eindrücke noch ganz frisch. Deshalb habe ich beschlossen, all die Dinge aufzuschreiben, die ich selbst gerne schon vorher gewusst hätte – von praktischen Informationen über kleine Überraschungen bis hin zu Tipps, mit denen ihr euer erstes Aareböötle entspannt geniessen könnt.

Denn auf den ersten Blick wirkt alles ganz einfach: Schlauchboot aufblasen, ins Wasser steigen und sich von der Strömung treiben lassen. In der Realität gibt es aber ein paar Dinge, die man wissen sollte. Das Aareböötle gehört zu den beliebtesten Sommeraktivitäten der Schweiz – und mit der richtigen Vorbereitung wird euer Tag nicht nur entspannter, sondern auch noch schöner.

1. Reist am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an

Auf den Webseiten der Bootsvermietungen wird empfohlen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Thun zu reisen – und nach unserer Erfahrung kann ich diesen Tipp nur unterschreiben. Ja, der Zug von Bern nach Thun war voller Menschen mit Schlauchboot, Dry Bag und genau demselben Plan wie wir. Trotzdem ist der Zug meiner Meinung nach die beste Wahl.

Der Grund ist einfach: Start und Ziel liegen nicht am selben Ort. Wer mit dem Auto nach Thun fährt, muss sich nach der Tour erst wieder darum kümmern, wie er wieder zum Fahrzeug kommt. Ausserdem sind die Parkplätze in der Nähe der Einstiegsstellen begrenzt und an schönen Sommerwochenenden schnell belegt.

Wir sind am Bahnhof Thun ausgestiegen und von dort zu Fuss zur Bootsvermietung gelaufen. Beide grossen Bootsvermietungen sind in etwa 10 bis 15 Minuten vom Bahnhof erreichbar – auch mit Rucksack und Ausrüstung ist der Weg problemlos zu schaffen.

Wenn ihr ein eigenes Schlauchboot habt, seid ihr natürlich flexibel und könnt an verschiedenen Stellen entlang der Aare ins Wasser gehen. Möchtet ihr jedoch die klassische Strecke von Thun bis Bern erleben, lohnt es sich, genau hier zu starten.

2. Reserviert euer Schlauchboot so früh wie möglich

Wenn ihr kein eigenes Schlauchboot habt, müsst ihr eines mieten. In Thun gibt es zwei grosse Bootsvermietungen. Wir haben uns für Aare Bootsvermietung entschieden und waren mit dem Service sehr zufrieden. Einen Tipp möchte ich euch aber unbedingt mitgeben: Wartet mit der Reservation nicht bis zur letzten Minute.

Sobald schönes Wetter angesagt ist, sind die Boote oft erstaunlich schnell ausgebucht – manchmal schon eine Woche im Voraus oder sogar noch früher. Sobald ihr also wisst, dass ihr Zeit habt und die Wetterprognose gut aussieht, solltet ihr euer Schlauchboot reservieren.

Genau das war übrigens einer der Gründe, warum wir das Aareböötle so lange vor uns hergeschoben haben. Wir wollten immer spontan losziehen. Doch jedes Mal, wenn das Wetter perfekt war, waren bereits alle Boote vergeben.

Dieses Mal hatten wir Glück: Kurzfristig wurde noch ein Schlauchboot frei. Endlich konnten wir eine Sommertradition erleben, die schon seit Jahren auf unserer Wunschliste stand.

3. An sonnigen Wochenenden gehören Wartezeiten einfach dazu

Wenn ihr während der Sommerferien oder an einem sonnigen Wochenende auf der Aare unterwegs seid, solltet ihr euch darauf einstellen, dass ihr nicht die Einzigen seid. Wie ich bereits erwähnt habe, war der Zug von Bern nach Thun schon voller Aareböötli-Fans – und am Einstieg sah es nicht anders aus.

Nachdem wir unser Schlauchboot übernommen hatten, reihten wir uns am Ende der Warteschlange ein und rückten Stück für Stück Richtung Wasser vor, sobald die nächste Gruppe gestartet war. Insgesamt haben wir rund 35 bis 45 Minuten gewartet, bis wir endlich an der Reihe waren.

Das ist völlig normal und kein Grund, sich davon abschrecken zu lassen. Plant diese Wartezeit einfach mit ein – sie kommt zu den drei bis vier Stunden auf dem Wasser noch dazu.

4. Wo endet das Aareböötle?

Wenn ihr euer Schlauchboot in Thun mietet, endet eure Fahrt beim Camping Eichholz in Bern. Dort gebt ihr das Boot zurück – damit ist euer Aareböötle offiziell beendet.

Mit einem eigenen Schlauchboot könnt ihr noch etwa zwei Kilometer weiter bis zum Marzilibad treiben. Das beliebte Flussbad liegt direkt unterhalb der Berner Altstadt und ist für viele der schönste Abschluss der Tour.

Nach der Rückgabe des Mietboots müsst ihr allerdings noch zum Bahnhof oder zu eurem Auto gelangen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ihr könnt den Hügel zur nächsten Tram- oder Bushaltestelle hinaufgehen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren.

Wir haben uns allerdings für eine andere Variante entschieden – und ich kann sie nur empfehlen. Nach der Rückgabe des Boots sind wir einfach noch einmal in die Aare gesprungen und haben uns bis zum Marzilibad treiben lassen. Für uns war das der perfekte Abschluss eines wunderschönen Tages.

Denkt dabei aber unbedingt an eure Sicherheit. Wenn ihr ohne Schlauchboot weiterschwimmt, nehmt am besten eine kleine Schwimmhilfe oder zumindest einen Aare Bag mit. Darin bleiben eure Wertsachen trocken, und gleichzeitig bietet er euch etwas zusätzlichen Auftrieb im Wasser.

5. Vier Stunden in der prallen Sonne? Unterschätzt das nicht.

Die beste Investition des ganzen Tages? Ganz klar der Strohhut für 15 Franken, den ein findiger Verkäufer direkt beim Einstieg in die Aare angeboten hat.

Ich würde sogar sagen, es war eine der besten Investitionen meines Lebens. 😊 Dank diesem Hut habe ich vier Stunden in der prallen Sonne ohne Kopfschmerzen oder Hitzebeschwerden überstanden.

Mein Rat ist deshalb ganz einfach: Nehmt unbedingt eine Kopfbedeckung mit, verwendet Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und cremt euch während der Fahrt regelmässig nach. Glaubt mir – am Abend werdet ihr euch dafür bedanken.

6. Trinkt mehr, als ihr denkt

Nehmt genügend Getränke mit. Am besten eine Trinkflasche – oder noch besser eine Thermosflasche mit Eiswürfeln, damit ihr auch nach ein paar Stunden noch kühles Wasser habt.

Trinkt regelmässig und wartet nicht, bis ihr Durst bekommt. In Kombination mit vier Stunden in der prallen Sonne ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr enorm wichtig.

Und wenn sich die Gelegenheit bietet, springt zwischendurch ruhig in die Aare. Keine Sorge – trinken müsst ihr sie nicht. 😉 Eine kurze Abkühlung tut dafür umso besser.

7. Alkohol? Lieber mit Vernunft.

Für viele – nicht nur für junge Leute – gehört zum Aareböötle eine kühle Bierdose einfach dazu. Glasflaschen sind auf den Schlauchbooten zwar verboten, aber auch bei Dosen gilt: Geniesst Alkohol nur in Massen.

Die Strömung der Aare ist stärker, als sie auf den ersten Blick wirkt, und eure Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen. Am besten verzichtet ihr ganz auf Alkohol – oder hebt euch das Feierabendbier einfach für nach der Tour auf.

8. Ein Picknick gehört einfach dazu

Wenn ihr das Aareböötle so richtig geniessen möchtet, packt euch etwas Leckeres für ein Picknick ein. Unterwegs kommt ihr an vielen kleinen Buchten vorbei, die geradezu dazu einladen, eine Pause einzulegen, ins Wasser zu springen und etwas zu essen.

Und hier noch ein Tipp aus eigener Erfahrung: Falls ihr denkt, ihr könnt euch eure Verpflegung nach der Ankunft in Thun noch schnell im Coop am Bahnhof besorgen – glaubt mir, genau dieselbe Idee werden auch viele eurer Mitreisenden haben, die gerade mit euch aus dem Zug gestiegen sind. 😄 Das bedeutet meist lange Warteschlangen und zusätzliche Verzögerungen.

Viel entspannter ist es, das Essen bereits zu Hause vorzubereiten. Packt etwas ein, das ein paar Stunden in der Sonne problemlos übersteht – zum Beispiel Brot, Obst oder andere haltbare Snacks. Auf Schokolade und Käse würde ich dagegen lieber verzichten. 😉

9. Nicht für die Kleinsten geeignet

Grundsätzlich wird das Aareböötle für Kinder unter fünf Jahren nicht empfohlen. Bei älteren Kindern kommt es natürlich auf ihre Erfahrung, ihre Sicherheit im Wasser und ihr Selbstvertrauen an.

Eines sollte aber immer selbstverständlich sein: Jedes Kind sollte eine Rettungsweste tragen – und eigentlich auch die Erwachsenen. Auch wenn man gut schwimmen kann, ist die Strömung der Aare nicht zu unterschätzen. Sicherheit geht immer vor.

10. Meine Packliste fürs Aareböötle

Zum Schluss noch eine kurze Checkliste mit Dingen, auf die ich beim nächsten Aareböötle garantiert nicht mehr verzichten würde:

  • Dry Bag oder Aare Bag – Damit bleiben Handy, Portemonnaie und andere Wertsachen trocken. Bei den Bootsvermietungen bekommt ihr zwar meist kostenlos ein wasserdichtes Fass, trotzdem fanden wir einen kleineren Dry Bag zusätzlich sehr praktisch.
  • Wasserdichte Handyhülle – fast unverzichtbar, wenn ihr unterwegs Fotos oder Videos machen möchtet.
  • Wasserschuhe – Flip-Flops würde ich zu Hause lassen. Beim Ein- und Aussteigen lauft ihr oft über Steine und Kies – mit Wasserschuhen ist das deutlich angenehmer. Wer daran gewöhnt ist, kann natürlich auch barfuss laufen.
  • Sonnencreme und Kopfbedeckung – für mich ein absolutes Muss.
  • Eine kleine Schwimmhilfe – Wenn ihr während der Tour oder nach der Rückgabe des Boots noch in der Aare schwimmen möchtet, ist eine kleine aufblasbare Schwimmhilfe sehr praktisch. Ein Aare Bag bietet zwar etwas Auftrieb, ist aber keine Rettungshilfe.
  • Badebekleidung und schnelltrocknende Kleidung – Wenn ihr nicht stundenlang nur in Badekleidung der Sonne ausgesetzt sein möchtet, ist ein leichtes Funktions- oder UV-Shirt – gerne auch mit langen Ärmeln – eine gute Wahl.

Fazit

Ich hoffe, meine Erfahrungen helfen euch dabei, euer erstes Aareböötle in vollen Zügen zu geniessen. Vielleicht ersparen euch diese Tipps die eine oder andere Überraschung, die wir erst unterwegs erlebt haben. 😊

Und falls ihr selbst schon einmal auf der Aare unterwegs wart, freue ich mich sehr auf eure Erfahrungen. Habt ihr einen Tipp, der euch die Tour erleichtert hat? Oder gab es etwas, das euch besonders überrascht hat?

Schreibt es gerne in die Kommentare unter diesem Artikel. Ich freue mich auf eure Geschichten – und gemeinsam helfen wir vielleicht den nächsten Aareböötli-Einsteiger:innen, ihre erste Fahrt auf der Aare noch mehr zu geniessen.

Kategorien: Das Beste vom Kanton Bern, Sommer
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Autorin

Hana Hurábová

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