Die Schweizer Pyramide: Wanderung vom Niesen Kulm zur Mittelstation Schwandegg

Der Niesen mit seiner unverwechselbaren Pyramiden-Silhouette gilt zu Recht als der schönste Berg am Thunersee. Auf 2.362 Metern über dem Meeresspiegel bietet er einen der schönsten Rundblicke des Berner Oberlandes. Kurz nachdem ich ein paar Fotos von meinem Ausflug auf den Niesen in einem WhatsApp-Status gepostet hatte, schrieb mir unsere Nachbarin, die liebe Therese. “Mein Grossvater war an der Niesenbahn der erste Betriebsleiter (ich glaube Eröffnung 1911 ) und meine Mutter (geboren 1905) ist mit ihren drei Geschwistern in diesem Gebäude der Talstation aufgewachsen. Ich könnte dir noch aus der damaligen Zeit etwas erzählen…” Nun, zu so einem Angebot kann man nicht nein sagen, und so wird der heutige Beitrag nicht nur mit einer Beschreibung der Strecke, sondern auch mit einer Geschichte aus der damaligen Zeit verwoben sein.

Anreise

Mit dem Auto: Die Fahrt von Bern aus dauert etwa 40 Minuten. Nehmt die Autobahn A6, folgt der Beschilderung Richtung Interlaken/Kandersteg/Spiez. Nehmt die Ausfahrt Kandersteg/Adelboden/Frutigen, weiter durch den Spiezwilertunnel und nach ca. fünf Kilometern erreicht man die Talstation der Standseilbahn (Talstation Mülenen, Niesenbahn, 3711 Mülenen).

Parkieren: Bei der Talstation der Standseilbahn befinden sich 3 Parkplätze. Der Mindestpreis für das Parkieren beträgt CHF 5 (für 5 Stunden). Ganztägiges Parkieren kostet CHF 8. Man kann mit Münzen oder über die Handy-App ParkingPay bezahlen.

Mit dem Zug: Von Bern aus erreicht man Mülenen entweder mit dem direkten Zug oder mit Umsteigen in Spiez. Die Station der Standseilbahn ist in 5 Gehminuten (400m) erreichbar.

Betriebszeiten und Fahrpreise

Die Niesenbahn ist von Mitte April bis Mitte November in Betrieb. Bei gutem Wetter kann der Betrieb bis Ende November verlängert werden. Schaut ihr also vor der Fahrt immer auf der Website nach aktuellen Informationen.

Die Niesenbahn fährt ab 8:00 Uhr alle 30 Minuten. Die letzte Fahrt von der Bergstation Niesen-Kulm ist um 17:45 Uhr, von der Mittelstation Schwandegg um 18:00 Uhr.

Für diese Wanderung benötigt man ein Wanderbillett, das einen Teil der Seilbahn überspringt, den Teil, den man wandert. Es kostet 48 CHF, mit Halbtax-Abo 24 CHF. Während man auf die Abfahrt wartet, kann man sich am Kiosk neben der Kasse einen Kaffee oder ein Eis holen.

Niesenbahn mit Geschichte

Im Jahr 1902 hat der Bund den Bau einer Standseilbahn von Mülenen auf den Gipfel des Niesen genehmigt. Der Bau der Bahn begann 1906 und wurde 1910 eröffnet. Interessanterweise war auch eine Standseilbahn von Wimmis aus geplant, die aber nie realisiert wurde. Die Strecke ist zweigeteilt – bei der Mittelstation Schwandegg muss man in einen zweiten Wagen umsteigen, der einen auf den Gipfel bringt.

Und nun die versprochene Geschichte

“Also mein Grossvater musste jeden Frühling, wenn der Schnee langsam wegschmolz, zu Fuss dem Bahntrasse entlang zum Niesen-Kulm hinaufsteigen, um allfällige Schäden an der Bahnanlage festzustellen und dann flicken zu lassen. Eines der Kinder durfte (oder eher musste) dann mitgehen.

Auch musste Grossvater ab und zu verunfallte Bergsteiger retten gehen, einmal sogar einen Toten holen, welcher dann in der Talstation aufgebahrt wurde. Helikopter-Rettung gab’s ja damals noch nicht. (Das muss meine Mutter sehr beeindruckt haben, denn sie hat das oft erzählt).

Bei der Ausfahrt der Bahn aus der Talstation überquert sie die Kander über einen Viadukt. Dort drauf spielten die Kinder gelegentlich – fast undenkbar gefährlich! (bestimmt ohne das Wissen der Mutter!)

Früher wuschen die Frauen die Wäsche ja in einem Holzzuber. Einen solchen liess meine Mutter einmal an einer Schnur in die reissende Kander gleiten (viel Schmelzwasser vom Gletscher). In den Zuber stieg ihr kleiner Bruder, der freudig auf den Wellen schaukeln konnte . . . Als das meine Grossmutter mit grossem Schrecken sah, konnte sie kaum mehr atmen vor Angst . . . “

Foto: Familie Therese L.

Berghaus Niesen

1906 kaufte die Niesenbahn AG das bestehende Berghaus zusammen mit der Hegenalp von den Gebrüdern Weissmüller aus Wimmis. Der Speisesaal wurde angebaut, die Küche erweitert, mehrere Räume renoviert und eine elektrische Beleuchtung installiert. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Niesenbahn wurde das Berghaus restauriert und renoviert.

Am 5. Mai 2002 konnte das umgebaute und erweiterte Berghaus eröffnet werden. Die wichtigsten Merkmale des Neubaus sind die 700m2 grosse Terrasse und der rundum verglaste Anbau mit seinem Alu-Dach.

Aussichtsplattform

Vom Restaurant geht es hinauf zum Kinderspielplatz und zur eingezäunten Aussichtsplattform. Hier befindet sich auch der Fotopunkt der Grand Tour of Switzerland. Von der Panoramaterrasse aus geniesst man den Blick auf das gesamte Berner Oberland: Thuner- und Brienzersee, die Stockhornspitze und die Täler – Diemtigtal, Simmental und Kandertal.

Der Trail zur Mittelstation Schwandegg

Unten seht ihr die Wanderkarte des Niesengebietes. Ihr könnt sehen, dass es zwei Routen vom Niesen-Kulm zur Mittelstation Schwandegg gibt. Ich habe für den Abstieg die Route Nummer 6 über Oberniese gewählt, die nicht so steil ist wie die Route Nummer 5. Der Weg beginnt oben am Niesen, verläuft zunächst am Grat entlang, dann geht es 700 m hinunter nach Oberniese und für den letzten Kilometer oder so folgt man der Kontur.

Quelle

Der Wanderweg beginnt hinter dem Restaurant und verläuft entlang des Grates.

Auf der Alp Oberniese können Sie am Selbstbedienungsschrank einheimischen Bergkäse kaufen. Dann biegt man links in Richtung Schwandegg ab. Kühe können sich einem in den Weg stellen, aber man sollte Ruhe bewahren, sie nicht provozieren und langsam an ihnen vorbeigehen. Die letzten paar Dutzend Meter bis zur Mittelstation Schwandegg geht es bergauf durch den Wald.

Zusammenfassung

  • Die Route ist 5 Kilometer lang.
  • Es handelt sich um einen Bergwanderweg, daher empfehle ich, festes Schuhwerk zu tragen und gut unter die Füsse zu schauen.
  • Der Weg ist für Kinder mit Wandererfahrung geeignet (keine Kinderwagen).
  • Prüft immer die aktuellen Informationen, bevor ihr euch auf den Weg macht (zum Beispiel war letzten Herbst die Station Schwandegg nicht zum Einsteigen geöffnet).

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